2010 - 100 Jahre Alfa Romeo


Begonnen haben ja alles die Franzosen. Damals, im Jahr 1906 kaufte die Firma Darracq eine Wiese bei Mailand und begann, für den italienischen Markt alltagstaugliche Automobile zu fertigen. Doch die Italiener, national wie sie nun mal sind und waren, kauften lieber Fiat, und so ist nach vier Jahren das französische Gastspiel vorbei. Zum günstigen Preis kauft 1910 die Auffanggesellschaft Societa Anonima Lombarda Fabbrica Automobili die Bude und nennt sich Alfa. Man findet die Nische und produziert fortan schnelle gehobenere Automobile. Bereits im selben Jahr fährt der erste Alfa 100 km/h, 1914 läuft der erste der fortan geliebten Doppelnockenwellenmotoren in einem Rennwagen. Doch nun ist Krieg, aus für schnelle Autos. Die Nachbarfirma Romeo hat einen Rüstungsauftrag und kauft sich 1915 Alfa dazu für mehr Kapazitäten.



1920 wagt man sich wieder an die Autos, es stehen ja noch über 100 Vorkriegschassis eingelagert. Und Nicola Romeo, der mit Autos überhaupt nichts am Hut hatte, wird alfanarisch. 1922 malt der Mechaniker dem Rennfahrer Sivocci das vierblättrige Kleeblatt aufs Auto; letzterer gewinnt die Targa Florio trotz Unglücksstartnummer 13. 1923 sind wir wieder Pleite, doch Mussolini weist die Banca Nationale di Sconto an, a bisserl was zu überweisen. In den Folgejahren hängt man beharrlich am Tropf, sieht den Duce aus den offenen Alfa Karossen grüßen, während Ascari, Campari, Ferrari, Sivocci und später der legendäre Tazio Nuvolari mit der Scuderia Alfisti von Sieg zu Sieg rasen. 1933 wird Alfa Romeo endgültig Staatsbetrieb und bleibt es bis 1986; der Käufer heißt dann Fiat. Im Rennsport fährt man jetzt meistens hinterher, der Führer hat es dem Duce mit Förderungen für Mercedes und Auto Union einfach nachgemacht. Caracciola, der noch 1932 für Alfa siegte, und Rosemeyer fahren nun auf obigen Fahrzeugen den Ferraris und Alfas davon. Doch bei Alfa entstehen eine Unzahl schöner und schneller Autos. Vor den Krieg sind es von Hand gefertigte Preziosen wie der schnellste Seriensportwagen seiner Zeit, im Krieg muss man Lastwagen bauen, danach hat auch Alfa Romeo Autos von der Stange zu fertigen.

1962 erscheint die Giulia Reihe, der erste familientaugliche Sportwagen, lange bevor BMW Sportlimousinen erfindet. Die Wagen werden bis 1978 gefertigt, die letzten vier Jahre als Giulia Nuova mit leicht geglätteter Karosserie. Mit dem Alfasud, ein Auto, das auf Geheiß der Regierung in Süditalien gebaut werden muss, endet die Story in wöchentlichen Streiks und Fertigungsmängeln, die das Erfolgsimage der Marke stark schädigen. So sind die späten Fiat mit farbigen Alfa-Logo für wahre Alfisti keine Alfa mehr, aber die 100 Jahre feiern wir gern mit vielen Automobil-Museen und Oldtimer-Messen.

Heike


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